25. Juli 2020

Meine 6 größten Fehler beim Kauf von Aktien


In diesem Beitrag geht es um meine vielfältigen Fehler bei der Anlage in Aktien.

Insgesamt habe ich das mal in 6 "Kategorien" eingeordnet.

Ich investiere seit 1995 in Aktien und Optionsscheine.

Etwa seit 1998 nur noch in Aktien.

Und in diesem Zeitraum habe ich viele Fehler gemacht.

Es werden wahrscheinlich nicht alle aufgeführt, aber doch hoffentlich die wesentlichen.

Den Rest habe ich wohl verdrängt 😏

Also fangen wir an ... seufz ...

1 Kurzfristiges Denken

Ganz am Anfang wollte ich ganz schnell sehr reich werden.

Wie schafft man das am besten?

Genau.

Optionsscheine.

Und zwar auf alles Mögliche: DAX, Deutsche Bank usw.

Das "betrieb" ich etwa von 1995 bis 1997.

Und brachte mir enorme Verluste ein.

Jeder, der an der Börse unterwegs ist, muss langfristig denken.

Optionsscheine sind etwas für absolute Spezialisten in diesem Bereich.

Aktien müssen generell als langfristiges Investment betrachtet werden.

Mal eben schnell reich werden klappt nicht.

Man erreicht genau das Gegenteil.

Und auch häufiges Handeln führt nicht zum Ziel.

Dabei gewinnen nur die Banken durch Provisionen.

Der Anleger verliert meistens.

2 Schneller Gewinn

Das hängt mit dem obigen kurzfristigen Denken zusammen.

Ich habe Gewinne viel zu schnell realisiert.

1998 kaufte ich Aktien von Johnson & Johnson.

Bis 1999 machte ich einen Gewinn von etwa 35 Prozent.

Und habe schnell verkauft.

Ich will gar nicht nachrechnen, welche Gewinne ich bis heute damit verpasst habe.

Hätte ... hätte ... Fahradkette!

3 Fallende Aktien

Besitzen Aktien, die tief gefallen sind, das meiste Kurspotenzial?

Ein beliebter Irrtum unerfahrener Anleger!

Ich bezeichne mich zwar nicht als unerfahrenen Anleger, aber diesen Fehler habe ich schon häufiger gemacht.

Einmal mit großem Erfolg.

Philip Morris habe ich in 1998 gekauft und 2006 mit erheblichem Gewinn verkauft.

Aber die meisten dieser Käufe brachten mir Verluste ein:

EM-TV, Groupon, RetailMeNot, Tipp24, YY, Tom Tailor, Gerry Weber und Steinhoff fallen mir spontan ein.

Das dürfte noch nicht alles gewesen sein.

Verdrängung ist eine gute Sache.😉

Denn es spielt keine Rolle, ob eine Aktie schon einmal 100 Euro wert war, wenn der aktuelle Kurs bei 5 Euro liegt.

Der Aktienkurs spiegelt die Bewertung der aktuellen Unternehmensinformationen durch die Marktteilnehmer wider.

Wenn diese der Meinung sind, dass eine Aktie nur 5 Euro wert ist, hat das meist auch einen guten Grund.

4 Verlustaversion

Aktien im Verlust habe ich vereinzelt so lange gehalten bis die Verluste wett gemacht sind.

Aber was, wenn das nicht passiert?

Egal.

Sie verbleiben unerschütterlich im Depot.

EM-TV habe ich in 2000 zur Zeit des Booms am "Neuen Markt" völlig überteuert gekauft.

Statt sie zu verkaufen, habe ich nachgekauft und nachgekauft, um sie dann in 2007 mit einigermaßen erträglichem Verlust endlich zu verkaufen.

Und ein solches Verhalten geht wahrscheinlich nicht nur mir so.

Viele Anleger können einfach nicht mit Verlusten umgehen.

Sie wollen es daher nach Möglichkeit vermeiden, diese zu realisieren.

Die (falschen) Überlegungen dahinter:

Erst realisierte Verluste sind wirkliche Verluste.

Der Verkauf einer Verlustposition kommt dem Eingeständnis einer Niederlage gleich.

Hier kommt dann häufig das Problem der „selektiven Wahrnehmung“ hinzu:

Schlechte Meldungen über die eigenen Aktien werden ausgeblendet, gute Meldungen überbewertet.

Das führt dazu, dass diese (zumeist schlechten) Aktien noch länger im Depot verbleiben und die Verluste oftmals noch größer werden.

Ich habe aus meiner Erfahrung mit EM-TV allerdings meine Lehren gezogen.

5 Selbstüberschätzung

Nachdem ich meine Anlagestrategie endlich gefunden hatte, habe ich viele für mich persönlich richtige Entscheidungen getroffen.

Konzentration auf wenige Aktien mit starken Marken und einfachem Geschäftsmodell.

Das ist meine Strategie.

Und dann kaufte ich Kraft Heinz.

Ich analysierte - wie seither immer - alles:

Produkte, Weltmarkt, Management und natürlich die Bilanzkennzahlen.

Ich fühlte mich - zu der Zeit (etwa 2016) - unbesiegbar.

Der Aktienkurs von Kraft Heinz fiel nach der gescheiterten Übernahme von Unilever zwar sukzessive, aber ich wusste es (natürlich) besser.

In 2019 implodierte der Aktienkurs.

Ich bin zwar nach wie vor von dem Unternehmen überzeugt, aber dennoch habe ich das Management völlig falsch eingeschätzt.

Die Gewissheit, das Börsenspiel durchschaut zu haben, führt - kann zumindest passieren - zu Leichtsinn.

Durch Erfolgserlebnisse ist man geneigt zu glauben, der souverän agierende Macher zu sein, der den Markt im Griff hat.

Demut ist an der Börse nie verkehrt.

Allzu leicht wird auch pures Glück mit eigenem Können verwechselt.

6 Ungeduld

Diese Charaktereigenschaft hat mich schon Unsummen an Geld gekostet.

Ich habe - jetzt im nachhinein - herausgefunden, woran es bei mir liegt.

Ich werde immer dann mit einer Aktie ungeduldig, wenn ich sie eben nicht für ewig behalten möchte.

Diese Erkenntnis - in seiner ganzen Wucht - realisierte ich 2019 bei meinem Kraft-Heinz-Debakel.

Denn mit Kraft Heinz habe ich einfach Geduld.

Totale Zuversicht und Vertrauen in eine Aktie schaffen Geduld.

Aber diese Erkenntnis habe ich leider erst spät erlangt.

Ungeduld ist kein guter Ratgeber.

Das weiss eigentlich jeder.

Das gilt ja auch nicht nur für die Börse.

Viele Anleger erhöhen ihren „Einsatz“, wenn eine „Wette“ nicht schnell genug aufgeht.

Fatal wird es, wenn dazu auch noch Kredite aufgenommen werden.

Das führt häufig nicht nur zu großen Verlusten, sondern gefährdet sogar das gesamte Vermögen.

Fazit

Jeder, der in Aktien investiert, macht Fehler.

Und die sind gut und richtig.

Denn jeder muss seine eigenen Fehler und Fehleinschätzungen machen.

Daraus entwickelt sich Erfahrung.

Ich denke, in dem einen oder anderen meiner Anlegerfehler erkennt sich so mancher Investor wieder. 

Man kann aus Fehlern lernen!